Diese Investigator-initiierte Studie der klinischen Phase IV soll die Wirksamkeit und Verträglichkeit von drei Antiepileptika (Levetiracetam, Carbamazepin und Lamotrigin) bei Patienten mit fokaler Epilepsie, die 60 Jahre oder älter sind, im direkten Vergleich testen.
Carbamazepin ist zurzeit die Standardbehandlung und das am häufigsten verschriebene Medikament für diese Patientengruppe in Europa und gilt quasi als Referenzsubstanz. Carbamazepin hat aber erhebliche pharmakokinetische Nachteile gerade in dieser Altersgruppe. Außerdem ist die Verträglichkeit wegen Müdigkeit und kognitiver Nebenwirkungen eingeschränkt. Carbamazepin ist zudem ein Induktor bestimmter Leberenzyme, wodurch andere Medikamente, die über die Leber verstoffwechselt werden (z.B. Marcumar), schneller abgebaut werden. Lamotrigin ist zurzeit das einzige Antiepileptikum der sog. neuen Generation, das bisher mit Carbamazepin in dieser Altersgruppe verglichen wurde. Dies basiert auf Erkenntnissen aus zwei doppelblinden und randomisierten Studien. Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass Lamotrigin deutlich besser vertragen wird, die Wirksamkeit dagegen sich nicht signifikant von Carbamazepin unterscheidet. Lamotrigin hat aber gegenüber Levetiracetam eine Reihe von pharmakokinetischen Nachteilen, da es über die Leber abgebaut wird und da es wegen der Gefahr allergischer Reaktionen nur sehr langsam eindosiert werden kann. Levetiracetam dagegen, wird rein über die Nieren nahezu unverändert eliminiert, was Vorteile hat, denn die Funktion der Niere lässt sich mittels Bluttests sehr viel besser messen und überwachen. Außerdem kann Levetiracetam etwa doppelt so schnell eindosiert werden wie Lamotrigin.
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sind daher aus zwei Gründen bedeutsam:
1. fehlen Daten zum direkten Vergleich der Wirksamkeit und Verträglichkeit der drei Substanzen und
2. gibt es bisher überhaupt nur zwei doppel-blinde, randomisierte Pharmastudien bei dieser sensiblen Patientengruppe, die in der Zukunft aufgrund der Demographie deutlich an Bedeutung zunehmen wird.
Hieraus ergibt sich, dass die Studie von erheblicher Bedeutung für eine evidenz-basierte und moderne Behandlung von Patienten mit fokaler Epilepsie im höheren Lebensalter darstellt.